Freifunk bringt freies WLAN in das Ankunftszentrum im Euro-Industriepark

München, 01.07.2016 (lm). Endstation der Flucht ist in Bayern oft das Ankunftszentrum im Euro-Industriepark. Hier haben die Geflüchteten das erste Mal die Gelegenheit etwas zur Ruhe zu kommen. Sie werden mit Essen versorgt, medizinisch untersucht und behördlich registriert. In den Wartezeiten können die Geflüchteten jetzt über Freifunk-WLAN-Hotspots online gehen. Die Freifunker haben ehrenamtlich freies WLAN aufgebaut und so die Möglichkeit geschaffen, dass Geflüchtete einfach und kostenlos mit ihrer Familie Kontakt aufnehmen und ein Lebenszeichen senden können.

In den vergangenen Tagen war im Ankunftszentrum im Euro-Industriepark reger Betrieb der anderen Art. Die Freifunker haben in der Erstaufnahmeeinrichtung der Regierung von Oberbayern Kabel verlegt, WLAN-Router installiert und Richtfunkstrecken aufgebaut. Dazu sind sie auf den Containerdächern herumgeturnt, unter die Decken gestiegen und unter Lüftungsröhren durchgekrochen - und das auf ehrenamtlicher Basis. Jetzt gibt es ein frei zugängliches drahtloses Internet für alle. Das notwendige Material wurde vom Bezirksausschuss 12 Schwabing-Freimann finanziell gefördert. Die blitzschnelle Datenverbindung wird vom Münchner Internetserviceprovider SpaceNet AG kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ohne vorherige Anmeldung können nun alle im Ankunftszentrum über das passwortfreie WLAN ins Internet und z. B. auch die “Ankommen App” des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge auf ihr Smartphone herunterladen. Die meisten Geflüchteten bringen ihr Smartphone aus ihrer Heimat mit. Es ist ihr digitaler Helfer auf der Flucht gewesen und kann ihnen auch in Deutschland bei der Orientierung helfen. Das Risiko der Störerhaftung trägt übrigens Freifunk.

Die Freifunker können finanzielle Unterstützung und Sachspenden gut gebrauchen, um ihre Arbeit fortsetzen zu können.

Beim Aufbau der Linkstrecke zwischen space.net und dem Bettenhaus des Ankunftszentrum

Planung der Versorgung der Ankunfts- und der Wartehallen

Sonnenuntergang nach getaner Arbeit

Hintergrund zum Projekt: “Freifunk für Flüchtlinge”

Nachdem die Geflüchteten in Sicherheit sind und für das Notwendigste gesorgt ist, wünschen sich viele sofort Zugang zum Internet. Sie möchten unbedingt den Kontakt mit ihrer Familie und mit Freunden aufrechterhalten, sich in Deutschland orientieren und Online-Sprachkurse nutzen. Internet ist in den Unterkünften jedoch nicht von den Behörden vorgesehen.

Die Initiative Freifunk München, die sich für flächendeckendes freies WLAN in München einsetzt, hat den Behörden im September 2015 angeboten, alle Unterkünfte in München ehrenamtlich mit WLAN auszustatten. Startpunkt war die WLAN-Versorgung am Münchner Hauptbahnhof als die Züge mit Geflüchteten aus Ungarn ankamen. Schritt für Schritt baut Freifunk seitdem frei zugängliches WLAN in Flüchtlingsunterkünften in und um München auf.

Anstatt das kostbare Handyguthaben zu verbrauchen, können die Geflüchteten dann über Freifunk ins Internet gehen. Die Geflohenen haben so die enorme Chance, sich ohne Kosten in Deutschland zu orientieren und die Integration selbst aktiv anzugehen.

Freifunk-WLAN-Hotspots sind besonders für Unterkünfte geeignet, denn ganz ohne Anmeldemasken sind sie sprachbarrierefrei und das Einbuchen fällt kinderleicht. Einfach im Smartphone das WLAN mit Namen muenchen.freifunk.net auswählen - läuft.

Im Hintergrund ist damit viel Arbeit verbunden: die Freifunker übernehmen die Planung, den Aufbau vor Ort und kümmern sich oft auch um die Finanzierung. Dabei koordinieren sie sich mit den zuständigen Behörden, integrieren die örtlichen Helferkreise und berücksichtigen nicht zuletzt die Bedürfnisse der Geflüchteten. Auch die unmittelbare Nachbarschaft wird oft eingebunden, um Internetspenderinnen und -spender zu finden.

Mittlerweile hat Freifunk München ca. 40 Unterkünfte mit WLAN ausgestattet. Täglich sind etwa 4.500 Geräte eingebucht.

Im Mai wurden ca. 80.000 Gigabyte Datenvolumen in den Flüchtlingsunterkünften transportiert. Nimmt man einen Prepaid-Handyvertrag mit üblichen 500 MB (= 0,5 GB) monatlichem Datenvolumen, entspricht dies ca. 160.000 Handy-Verträgen!

Freifunk München Freifunk München ist eine nicht-kommerzielle Initiative für den Aufbau freier (Funk-)Netzwerke im Münchner Raum. Jeder kann mitmachen: bereits für etwa 15 Euro kann man einen WLAN-Router im Handel kaufen, ihn mit Freifunk-Software bespielen und Teil der Freifunker Community werden und so beitragen, in ganz München freies WLAN anzubieten.

Unser Ziel: Das Wissen über die Funktion von Netzwerken verbreiten - und das geht am Besten mit dem Aufbau und Betrieb eines freien und unabhängigen WLAN Netzes in München. Freifunk München ist in dieser Form seit Anfang 2015 aktiv. Mittlerweile gibt es ca. 1.700 Freifunk-WLAN-Hotspots in und um München, die alle auf Eigeninitiative der jeweiligen Freifunkerin oder des Freifunkers entstanden sind. Täglich buchen sich derzeit etwa 45.000 Geräte bei Freifunk München ein. Eine Karte mit vielen Hotspots findet sich auf https://map.ffmuc.net/

Lars Mentrup (lm) 0179 2432770 lars.mentrup@gmail.com presse@ffmuc.net